Vortragsreihe im Haus des Buches
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

„Nur hier sind Sie auf Ihrem Platze!"
[B.G. Teubner an F.A. Brockhaus, 24. Februar 1817]

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Das Präfix „Buch" gehört zu den am häufigsten beanspruchten Attributen Leipzigs. Was aber verbirgt sich hinter dieser Charakterisierung? Mit der Vortragsreihe, eine Gemeinschaftsveranstaltung des Studienganges Buchwissenschaft/-wirtschaft an der Universität Leipzig, des Studienganges Buch und Museum der HTWK Leipzig, des Leipziger Arbeitskreises zur Geschichte des Buchwesens, des Leipziger Geschichtsvereins e.V, des Sax-Verlages Beucha. sowie des Kuratoriums Haus des Buches und des BlickPunkBuch e.V. wird dieser Frage nachgegangen. Im Blick steht die Analyse grundlegender Strukturen, Leistungen und Machtverhältnisse der Buchwirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Die Referenten stellen ihre auf der Basis umfangreicher historischer Quellenarbeit gewonnenen Erkenntnisse und Thesen zur Diskussion.

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28. Mai 2002, 18.00 Uhr

Dr. Volker Titel

In den Zentralen der Medienwirtschaft.
Leipzigs buchhändlerische Vereinshäuser im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Leipzig das Zentrum des buchhändlerischen Warenverkehrs in mit Deutschland. Neben der Präsenz zahlreicher Firmen wurde das Bild der Buchstadt vor allem von zwei Gebäuden geprägt, die zu Schaltstellen der deutschen Medienlandschaft avancierten: die 1834/36 errichtete „Buchhändlerbörse" in der Ritterstraße und das 1888 eröffnete „Deutsche Buchhändlerhaus". Es waren dies Heimstätten zentraler geschäftlicher Einrichtungen, und hier wurden Entscheidungen getroffen, die zum Teil bis heute Bestand haben – die Einführung des festen Ladenpreises für Bücher ist ein Beispiel dafür.
Der Vortrag thematisiert Entstehung, Architektur sowie Funktion dieser Bauten und beleuchtet auf diese Weise Strukturen und Selbstbilder der Buchbranche bis zum Zweiten Weltkrieg.

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25. Juni 2002, 18.00 Uhr

Dr. Thomas Keiderling

Shakespeare in Leipzig?
Leipzig als Vermittlungszentrum englischer Bücher im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Wer heutzutage ein englisches Buch lesen möchte, schaltet einfach den Computer ein und bestellt via Internet. Nach wenigen Tagen kann er oder sie das gewünschte Exemplar in den Händen halten. Wie aber sah eine derartige Bestellung vor mehr als 100 Jahren aus? Wer in Deutschland las englische Texte? Was wurde besonders gern gelesen? Welche Firmen dominierten das deutsch-englische Geschäft?
Leipzig hatte bei diesem Handel eine zentrale Funktion – durch sie wurde es möglich, dass die deutsche Leserschaft jedes in Großbritannien erschienene Buch in einer beliebigen Sortimentsbuchhandlung bestellen und das Originalexemplar nach Ablauf weniger Wochen in den Händen halten konnte. Mit zeitlicher Verzögerung setzte in Leipzig, dank solcher Firmen wie Bernhard Tauchnitz, eine umfangreiche englischsprachige Buchproduktion und Übersetzungstätigkeit ein, auf die der Vortrag ebenfalls eingeht. Überraschungen wird es hinsichtlich der Frage geben, was im 19. Jahrhundert in deutschen Wohnzimmern gelesen wurde. War Shakespeare wirklich dabei?

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29. Oktober 2002, 18.00 Uhr

Prof. Dr. Otto Seifert

„Wider den undeutschen Geist"
Der Buchplatz Leipzig in den ersten Jahren nationalsozialistischer Herrschaft

In den ersten Jahren der NS-Herrschaft wurde der international anerkannte und weltoffene Buchplatz Leipzig einschneidend verändert: Aktionen „wider den undeutschen Geist" für völkische Literatur, Schwarze Listen, Schließungen, Verfolgungen – dies waren die Strategien beim Aufbau des totalitären Systems Mitte der 1930er Jahre. Betroffen war neben der Wirtschaft im engeren Sinne vor allem das geistige Klima der Messestadt.
Welche Rolle spielten Leipziger Universität, NSDAP, Justiz und Polizei, die „Oberprüfstelle für Schund- und Schmutzliteratur", der Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, die Städtischen Bibliotheken sowie das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda bei diesem Prozess? Wie entwickelte sich der Buchmarkt unter diesen Bedingungen? Wie verhielten sich die Leipziger Verlage?

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26. November 2002, 18.00 Uhr

Prof. Reimar Riese

Auferstanden aus Ruinen?
Die Entwicklung der Buchstadt Leipzig in der DDR

1945 lagen 80% des legendären graphischen Viertels in Trümmern. Der Neubeginn litt unter dem Exodus traditionsreicher Verlegerfamilien, die unter den Bedingungen der sozialistischen Kulturrevolution keine Wirkungsmöglichkeiten für sich sahen. Dennoch: Auferstanden, ja Neuerstanden aus Ruinen sind Verlage, Buchhandlungen, Buchdruckereien, Buchbindereien, ja selbst der Börsenverein am „Leipziger Platz. Der Zukunft zugewandt aber waren aus heutiger Sicht vor allem die Bemühungen um Erhalt und Pflege der Buchkultur unter schwierigen wirtschaftlichen und kulturpolitischen Bedingungen. Dieses Pfund konnte die einstige Buchstadt in die nach 1990 wiedervereinigte Buchlandschaft in Deutschland einbringen. Endete damit nun endgültig ihre Geschichte? Was war, was blieb von der Buchstadt Leipzig? Und welcher Zukunft kann sie sich nun zuwenden?

28. Januar 2003, 18.00 Uhr

Dr. Siegfried Lokatis

Leipzig als Provinz.
Die Buchstadt Leipzig aus der Perspektive der DDR-Regierung

Der Dirigent für das Buchstadt-Orchester saß in Berlin: die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur für Kultur. Die Zuständigkeit der „HV" umfasste die gesamte literarische Produktion der DDR, die Literaturpropaganda und Absatzsteuerung, die Organisation von Import und Export sowie das Bibliothekswesen.
Der Vortrag befasst sich mit der Entstehung dieser Institution und mit deren verschlungenen Strukturen, Unterstellungsverhältnissen, Verantwortlichkeiten, Einflusschancen und Richtlinien. Aus dem Anspruch, Literatur zu fördern und gleichzeitig zu kontrollieren, erwuchs für die Kulturbehörde die Bereitschaft zu immensem Aufwand. Wie verhielt man sich dabei gegenüber dem einstiegen Zentrum des deutschen Buchhandels?

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